3 Visionen für die Schweizer Landwirtschaft

An einem Vortrag für agrolink.ch habe ich folgende drei mögliche Szenarien für die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft skizziert:

Die Bauer AG

Die 80 000 Bauern und Bäuerinnen der Schweiz bilden zusammen eine Aktiengesellschaft. Es gibt einen CEO, einen Verwaltungsrat und was sonst noch alles dazugehört. Erste Massnahme: Kündigung von 50% aller Angestellten. Damit hat die «Bauer AG» nur noch 40 000 Angestellte. Das Resultat ist eine Firma von etwa der Grösse von Google. Die gekündigten Bauern/Bäuerinnen erhalten ein oder zwei Jahre lang die gegenwärtigen Direktzahlungen des Bundes an die Landwirtschaft von 2,8 Milliarden Franken. Macht pro Kopf 70 000 Franken Abfindung pro Jahr. Genug, um die eigene Karriere ausserhalb der Landwirtschaft neu zu starten.
Die Bauer AG erhält keine Direktzahlungen vom Bund. Angebaut wird, was der Weltmarkt gerade verlangt. Die Bauer AG ist in Spezialisten-Teams gegliedert. Es gibt Teams für das Pflügen, für das Düngen, für die Tierhaltung und für die Applikation von Pflanzenschutzmitteln. Aufträge werden via Handy-App verteilt. Drohnen überwachen Anbau, Schädlingsbefall und andere Parameter aus der Luft.

Wissen gegen Geld

Es wird vollständig auf den Anbau von Nahrung verzichtet. Stattdessen wird die landwirtschaftliche Forschung massiv gesteigert. Die Schweiz «baut» Wissen statt Kartoffeln an. Bauern und Bäuerinnen werden zu Forschungsassistenten umgeschult. Ihr Alltag besteht nun aus Datenerhebung statt aus Salat pflücken.
Dazu wird das gesamte Agrarland der Schweiz in ein Forschungsfeld umgewandelt. Einen Teil davon wird mit Treibhäusern bedeckt, damit verschiedene Klimaszenarien simuliert werden können.
Geforscht wird, was die Welt braucht. Nutzpflanzen mit höherem Ertrag, trockenheitsresistenter Mais, Bakterienkulturen, die Bodenerosion verhindern, Bewässerungstechnologien für die Sahel-Zone. Fixfertige Lösungen werden in die entsprechenden Gebiete verkauft.

Boden on SALE

Die Landwirtschaft in der Schweiz wird komplett abgeschafft. Die gesamte Nahrung wird aus dem Ausland importiert. Sämtliches Agrarland wird zu Bauland umgezont. Wer es sich leisten kann, darf bauen so viel er will. Die Landwirte werden durch die Umzonung ihrer Agrarflächen zu Millionären.
Der Boden wird in Blöcken ausgehoben. Ein Block ist zwei Meter hoch und enthält sämtliche Bodenhorizonte angefangen bei der Humusschicht ganz oben bis zum Kiesbett ganz unten. Diese Blöcke verkaufen die Landwirte ins Ausland. Beispielsweise in den Nahen Osten, wo guter Boden rar ist. Dort können die Menschen fortan auf Schweizer Boden Landwirtschaft betreiben. Die Produkte werden unter dem Label «Swiss Soil Made» auf den Markt gebracht.






Welche Vision für die Schweizer Landwirtschaft haben Sie?






1 Kommentar:

  1. Die Landwirtschaft als Wirtschaftszweig gibt es nicht mehr. Jeder Mensch betreibt nämlich auf seinem eigenen Stück Land Landwirtschaft: Er lebt autark. Platz dafür gäbe es genug, sodass immer eine kleine Gemeinschaft (Familie, Verwandtschaft, Freundeskreis) ein kleines Stück Land bewirtschaften kann. Im Frühling, Sommer und Herbst wird angebaut, für den Winter werden Vorräte angelegt, eingekocht und konserviert. Das Lebensnotwendige stellt man selbst her: Z.B. Stühle, Betten, Besteck, etc. Als Krankheitsbekämpfung und -prävention (also auch Zahnpflege, etc.) wird ausschliesslich Naturheilkunde betrieben; Das funktionierte schon vor zehntausenden von Jahren wie auch Heute.
    Man könnte immer noch eine kleine Gruppe von Menschen, mit dem entsprechenden Know-how, damit beschäftigen, Dinge zu produzieren, die man nicht so einfach herstellen kann. Also bestimmte Werkzeuge, eventuell Zahnpasta, Glasgefässe, etc. Diese Gruppe wird natürlich von der viel grösseren, autark lebenden Gruppe versorgt.

    Dieses System müsste weltweit betrieben werden. So würden sich praktisch alle grundlegenden Probleme der heutigen, "fortschrittlichen" Gesellschaft in Luft auflösen:
    - Es gibt keine "Food miles" mehr, die Nahrungsmittel werden am gleichen Ort produziert und konsumiert.
    - Die CO2-Problematik und somit die Klimaerwärmung würden sich nicht weiter verschlimmern, denn Autos und Flugzeuge braucht es nicht mehr. In die Ferien lohnt es sich nicht zu gehen, denn der eigene Selbstversorgergarten ist ein 24/7 Job.
    - Der Mensch bleibt gesund denn er hat viel Bewegung (Gartenarbeit) und ernährt sich gesund (Gemüse mit weitaus höherer Qualität als heute angepriesene Bio-Labels).
    - Die Arbeit und die autarke Lebensweise machen glücklich.
    - etc.

    Natürlich gäbe es beim Wandel vom jetzigen System zu diesem beschriebenen System viele Probleme:
    - Es bräuchte Menschen, welche die Abschaltung der Kernkraftwerke über Jahre hinweg steuern müssten (die AKWs kann man nicht einfach herumstehen lassen). Diese müssten von anderen versorgt werden.
    - Die heutigen Konflikte zwischen den Menschen müssten gestoppt werden, also eine intensive Friedenspolitik müsste betrieben werden.
    - Und vieles mehr müsste getan werden.

    Leider ist das oben beschriebene System ein Wunschtraum, eine Utopie. Mit unserer heutigen Lebensweise, unserem verschwenderischen Konsumverhalten, unserem Egoismus und unserer Sucht nach Selbstbereicherung wird ein System, in welchem es ALLEN Menschen gut geht nie Zustande kommen. Schade nur, dass wir alle blindlings dem Traum von Reichtum nachrennen, uns jeden Tag abrackern und Medikamente einwerfen, um noch länger arbeiten zu können. Gleichzeitig wird jeder Mensch verblendet indem ihm in der Werbung, in Zeitschriften, in Filmen, in Videospielen und in Büchern stets gesagt wird, wie ein schönes Leben aussehen muss: Riesiges Haus, mehrere Sportwagen, schöne Frauen, Drogen, uneingeschränkter Konsum, etc.
    Sehen wir, wohin uns unser heutiges System führt, ein System das beginnt sich selbst aufzufressen.
    Verschliessen Sie bloss die Augen nicht und bedienen Sie sich ihres Verstandes!

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