Verpackungen landen im Meer

März 2015, Vivai
Verpackungen sind ein Segen, wenn es um die Hygiene und die Haltbarkeit unserer Lebensmittel geht. Doch als Müll sind sie ein Fluch. Eine achtlos zu Boden geworfene Plastikschale landet irgendwann im Meer und tötet dessen Bewohner.

Mangelndes Abfall-Management in Thailand:
Essens-Verpackungen werden einfach auf dem
Strand entsorgt...
Im vergangenen Dezember haben Forscher aus den USA eine beunruhigende Studie publiziert. Sie haben aufgrund von Messungen und Hochrechnungen herausgefunden, dass zurzeit fünf Billionen Plastikstücke in den Weltmeeren schwimmen. Das Gesamtgewicht dieses Abfallteppichs beläuft sich auf 250 000 Tonnen. Das entspricht dem Transportvolumen einer Flotte von zehntausend vollbeladenen Lastwagen mit Anhängerzug.

Das führt uns einmal mehr die Schattenseite des viel gerühmten Plastiks vor Augen und zeigt, wie sorglos die Gesellschaft mit diesem Stoff umgeht. 2013 wurden weltweit rund dreihundert Millionen Tonnen Plastik produziert. Rund vierzig Prozent davon werden für Verpackungen verwendet, wie es vom Verband Swiss Plastics heisst. Diese machen den grössten Anteil am Plastikmüll in den Meeren aus.
...oder hinter dem nächsten Busch.

Doch wie kommt ein Stück Verpackungsfolie von einem Keks oder einer Zigarettenschachtel in den Bach? Die Antwort ist so einfach wie deprimierend. «Eine der wichtigen Ursachen der Umweltverschmutzung mit Plastik ist das Littering», sagt Manuel Kunz, Gewässerexperte beim Bundesamt für Umwelt. Das Plastikstück wird meist mit dem Regen in das nächste Gewässer getragen. «Von dort geht es  letztendlich ins Meer», sagt Kunz.

Auf dem langen Weg zerfällt der Plastik unter anderem durch die Einwirkung des UV-Lichts der Sonne in immer kleiner Teile. Ab einer Grösse von 5 Millimetern spricht man von Mikroplastik. Den findet man inzwischen flächendeckend in der Schweiz. So haben Forscher der ETH Lausanne sechs Schweizer Seen untersucht und im Schnitt pro zehn Quadratmeter Seeoberfläche ein Stück Mikroplastik gefunden.

In den Flüssen sind die Konzentrationen noch um einiges höher. So schwemmt beispielsweise die Rhone rund zehn Kilogramm pro Tag aus der Schweiz Richtung Frankreich und ins Mittelmeer. Es gibt also einen direkten Zusammenhang zwischen unsachgemäss entsorgten Verpackungen in der Schweiz und der Verschmutzung der Meere. Forscher schätzen, dass rund achtzig Prozent des Mülls im Meer vom Land kommt. Der Rest stammt von Schiffen oder aus Aquakulturen.

«Die grösste Gefahr vom Mikroplastik ist, dass Tiere ihn fressen», sagt  Martin Löder, Umweltingenieur an der Universität Bayreuth. Jedes Plastikstück kann wie ein kleiner Schwamm fungieren, der Schadstoffe in sich aufsaugt und anreichert. Wenn Meerestiere solche Partikel Fressen, nehmen sie eine Giftpille zu sich. «Die Schadstoffe können so in das Tier übergehen. Im schlimmsten Fall kann das zur Tumorbildung führen, wie Laborstudien zeigten», sagt Löder.

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